Nov2013 28

Die WM ist vorbei, Magnus Carlsen ist der neue, von vielen erwartete Weltmeister. Er gewann mit 6,5-3,5 und damit noch deutlicher, als viele Experten vorher tippten. Für die Mathematiker ist interessant, dass das Endergebnis bis fast auf den Prozentpunkt genau einer Prognose entsprach, die basierend auf allein den ELO-Zahlen beider Spieler ein 7,5-4,5 vorhersagte. Allerdings ist dieses Resultat aufgrund der Regel, dass das Match ist beendet ist, wenn einer der Spieler 6,5 Punkte erreicht, nicht möglich.

Mich selbst hat der Wettkampf ein wenig enttäuscht. Natürlich, das Medieninteresse war bombastisch, die Live- und Nachberichterstattung des Matches im Internet vielleicht nur mit dem Kandidatenturnier Anfang des Jahres zu vergleichen. Aber dem Match selbst fehlte das besondere Etwas. Einzig in den Partien 3,4 und 9 deutete sich an, welcher Kampf zwischen diesen beiden Spielern möglich gewesen wäre. Anand, der 2008 gegen Kramnik und 2010 gegen Topalov auch von seiner exzellenten Vorbeitung profitierte, musste bereits 2012 gegen einen offensichtlich besser präparierten Boris Gelfand Federn lassen und gewann damals erst im Tiebreak.

Gegen Magnus Carlsen griffen seine vorbereitenden Eröffnungen offensichtlich nur in den ersten drei Partien, danach war sein Pulver verschossen. Auch weil Carlsen immer wieder danach trachtete, ausgetrenene Pfade zu vermeiden und damit Anands Vorbereitung zu umgehen. In den Partien 5 und 6 besiegte sich Anand selbst, und damit war der Wettkampf praktisch entschieden. Dies zeigte sich gerade in den beiden folgenden Partien 7 und 8. Ich zweifele stark an, ob man sich bei einem Rückstand von 0:2 in einem Wettkampf auf maximal 12 Partien zwei solch blutleere Remisen erlauben kann. Vielleicht hatte Vishy Anand von vorne herein zu viel Respekt vor Magnus Carlsen, den er zuletzt 2010 in einer Turnierpartie besiegen konnte.

Dabei haben sowohl die ersten beiden Partien des Weltmeisterschaftkampfs als auch die letzten Partien des Kandidatenturniers in London Anfang 2013 gezeigt, dass auch ein Magnus Carlsen Nerven zeigt und „wackeln“ kann, wenn es knapp wird. Möglicherweise hätte Anand nach den zwei „Ausbremsern“ in den ersten Partien mehr „auf Risiko“ spielen sollen. Seine Millionen Anhänger beim Heimspiel in Indien hätten ihm Aussetzer wie in Partie 9 sicherlich verziehen, wenn er den Kampf spannender und offener gestaltet hätte.

Hier noch die beiden letzten Partien:

(ELO: ) – (ELO: )
, Datum: , Ergebnis:

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