Sep 21

Auf wikileaks ist gestern eine Sperrliste aufgetaucht, welche Lycos für die Anzeige von Suchergebnissen in der eigenen Suchmaschine verwendet. Lycos existiert zwar seit 2008 nicht mehr, aber der geneigte Leser kann sich hier trotzdem schon einmal ein Bild davon machen, welche Qualität die Umsetzung des Websperrungsgesetz haben wird.

Meine persönlichen Favoriten:

  • www.heise.de/resale/termine/skin-resale/listpage-6
  • www.faz.net/d/invest/meldung.aspx?id=48203584
  • www.faz.net/d/invest/meldung.aspx
  • www.stadtwerke-hameln.de
Okt 24

 Sie war schon einmal gesperrt, am vergangenen Wochenende hat Arcor erneut die Webseite youporn.com dem Zugriff für eigenen Kunden entzogen. Auf Anordnung des Landgerichts Frankfurt und mit Hilfe einer einstweiligen Verfügung hat der deutsche Pornoanbieter Kirchberg Logistik GmbH diese Sperrung erwirkt. Grund: eine fehlende Altersverifikation, die in Deutschland für Inhalte dieser Art vorgeschrieben ist.

 Nun läßt sich bekanntlich über Geschmack trefflich streiten, was jedoch der offensichtlich unkundige Richter aus Frankfurt völlig übersehen hat:

  • Arcor ist ein Provider, dessen einzige Aufgabe darin besteht, einen Internetzugang für seine Kunden bereitzustellen. Einen Provider dazu verdonnern, den Zugriff auf bestimmte Webseiten zu unterbinden, ist gleichbedeutend mit einer Anklage gegen einen Autohersteller, wenn dessen Fabrikat zufälligerweise für einen Banküberfall mißbraucht wurde.
  • Arcor-Kunden müssen bei Vertragsabschluss mindestens 18 sein.
  • Die umstrittene Webseite youporn.com wird im Ausland gehostet und unterliegt damit nicht der deutschen Gerichtsbarkeit
  • Warum wird nur Arcor angegangen, und nicht T-Com, 1&1, Alice oder andere große ISPs? 
  • Die Tatsache, daß ausgerechnet ein Konkurrent, der bezahlte Pornographie anbietet, mit einer einstweiligen Verfügung aufwartet, sollte ebenfalls bedenklich stimmen
  • Eine von Arcor umgesetzte Sperre (z.B. auf DNS-Ebene) kann jedes Script-Kiddie umgehen. 
  • Zensur ist und bleibt Zensur!

 Wäre ich Kunde von Arcor, ich würde darauf drängen, daß Arcor entweder die Sperre sofort aufhebt oder – in der Öffentlichkeit gut dokumentiert –  gegen die einstweilige Verfügung vorgeht. Sollte dieses Beispiel Schule machen, werden Provider in der Zukunft nur noch damit beschäftigt sein, das Internet von bestimmten Webseiten "zu säubern." Aber vielleicht kommt dies ja unserer Politik ganz gelegen … "Browser? Was sind denn jetzt nochmal Browser?"


 

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Sep 11

 Mit einem an Dummheit kaum zu überbietenden Vorschlag wartete heute der EU-Kommissar Franko Frattini auf. Er will mit Hilfe der Internet-Provider die Suche nach "gefährlichen" Wörtern verbieten und entsprechende Webseiten blockieren lassen. Unter gefährliche Wörter fallen laut Frattini u.a. die Begriffe "Bomben, Töten, Genozid und Terrorismus."

 Frattinis Idee soll anscheinend ein weiterer Baustein der Antiterror-Pläne der EU sein. Dazu gehören auch das Sammeln von Fluggastdaten (ähnlich wie für die U.S.A.) und der Aufbau eines Europäischen Sprengstoffregisters. Daß mit einem "Wortfilter" grundlegende Menschenrechte verletzt werden könnten, interessiert den Kommissar aus Italien offenbar nicht. Ebensowenig  scheint er  zur Kennniss zu nehmen, daß sich schon ganz andere Kaliber an Wortfiltern die Zähne ausgebissen haben. Warum wohl sind immer noch 90% aller versendeten E-Mails Spam, Herr Frattini? Und dies trotz umfangreicher und ausgeklügelter Spamfilter-Systeme?

 Man kann dem guten Manne im Sinne der Internet-User nur wünschen, daß er sich künftig auf so interessante Themen wie "Der korrekte Biegungsgrad der EU-Banane" konzentriert. Soviel technische Ignoranz bringt selbst Schäuble kaum in einen seiner Vorschläge rund um’s  "Zwischennetz."

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Aug 21

 Oder besser doch nicht? Wie Heise gestern berichtete, hat ein türkisches Gericht in Istanbul die Sperrung des Zugangs zu WordPress von der Türkei aus verfügt. Grund waren angebliche Beleidigungen gegen den türkischen Kreationisten Adnan Oktar, die auf der Blog-Seite www.wordpress.com veröffentlicht wurden.

 Oktar, auch bekannt unter dem Namen Harun Yahya, ist ebenso wie einige religiöse Fanatiker in den U.S.A. Verfechter einer religiösen Schöpfungsgeschichte. Er bezeichnet die klassische Evolutionstheorie als Betrug. Laut Wikipedia leugnet er ebenso den Holocaust.

 Nachdem Türk Telekom bereits im März diesen Jahres für einige Tage den Zugang zu Youtube gesperrt hatte, ist dies nun mindestens der zweite Fall von eindeutiger Internet-Zensur. Man fragt sich da unwillkürlich, ob die Türkei die Beitrittsbedingungen zur EU vielleicht missverstanden hat.

 Ach ja, hier sind übrigens einige der vom Gericht beanstandeten Links bei WordPress:

Leider kann ich kein Türkisch. 

[Update]

 Wenn man einem Heiseforen-Bericht Glauben schenken darf, handelt es sich bei der ausführenden Instanz wiederum um die "Türk Telekom", das Pendant der Deutschen Telekom. 

 

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Jul 30

 Ein angeblich offizielles Schreiben der Chinesischen Regierung an das Internetportal Yahoo bringt den Dienstleister in arge Bedrängnis. Yahoo hatte Daten zu einem Account des Regimekritikers Shi Tao nach einer Anfrage des Chinesischen Staatssicherheitsdienstes herausgegeben. Yahoo behauptet bis heute, die persönlichen Daten des inhaftierten Journalisten Shi Tao seien aufgrund einer Überprüfung in einem Mord-, Terrorismus- oder Kinderpornografiefall weitergeleitet worden.

 Das Schreiben stammt aus dem Jahre 2004 und ist auf der Webseite einer Chinesischen Menschenrechtsorganisation einzusehen. Yahoo wird darin aufgefordert, alle verfügbaren Daten zu einer bestimmten E-Mail Adresse wegen Verdachts der Weitergabe von Staatsgeheimnissen zu übermitteln. Dies steht in krassem Gegensatz zur ursprünglichen Darstellung Yahoos, von welcher der Internetdienstleister auch heute nicht abrückt.

 Shi Tao hatte einer Chinesischen Zeitung per E-Mail (Yahoo-Account) einen regimekritischen Artikel gesendet. Im April 2005 wurde er wegen Verrats von Staatsgeheimnissen zu 10 Jahren Haft verurteilt. Wie Zynismus klingt da ein aktuelles Statement des Pressesprechers von Yahoo: "Yahoo vertritt nach wie vor die Position, dass Verletzungen der Meinungsfreiheit in keiner Form zu tolerieren sind."

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