Nov2013 01

Einen eher mittelmäßigen Illner-Talk strahlte das ZDF gestern unter dem Titel „Digitale Besatzungsmacht – Müssen wir uns nun vor den USA schützen?“ aus. Dass schon die Fragestellung an die Runde falsch war, erkannte allein Marina Weisband, die ehemalige politische Geschäftsführerin der Piratenpartei. Sie führte aus, dass wir, die Bürger uns in einer völlig neuen Situation befänden, weil wir unsere Grundrechte nun vor allen Staaten schützen müssten.  Die beiden anderen Vertreter politischer Parteien, Wolfgang Bosbach (CDU) und Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen) dagegen erweckten eher den Eindruck verschmähter oder enttäuschter Liebhaber und nutzten jede sich bietende Gelegenheit, gegen die USA zu schießen.

Ein weiteres Statement Marina Weisbands machte in den Rückblicken der Medien die Runde, z. B. hier und hier: „Wir sollten dafür sorgen, dass Spionage weniger sexy ist.“ Sex sells? Oder warum sonst wurde dieser Satz – auch in den Social Media – so häufig und kommentarlos zitiert. Ich vestehe die Aussage nicht. Unter welchen Umständen sollte das – oft illegale – Sammeln von Informationen zukünftig weniger interessant werden? Aus dem Anhäufen von Informationen erlangen wir Wissen. Wissen bedeutet Macht. Ein Wissensvorsprung bedeutet noch mehr Macht.

Wir leben in einer Welt unterschiedlicher wirtschaftlicher und militärische Bündnisse. In einer Welt mit nationalen Verfassungen, Gesetzen und Grenzen. In einer Welt, in der trotz aller gegenteiligen Beteuerungen und Verträgen die staatlichen Interessen Priorität behalten. Man schaue nur auf verschiedene multilaterale Umweltabkommen und deren zögerliche Umsetzung.

Die Philosophie einer Open Source Kultur aus der IT lässt sich nicht innerhalb weniger Jahre in alle Bereiche unserer Gesellschaft übertragen. Ein altruistisches Weltbürgertum als Gegenentwurf zum gelebten Egoismus werden weder wir, noch unsere Kinder oder Enkel erleben. Und mindestens so lange wird Spionage sexy bleiben. Vielleicht anstößig, unmoralisch und verrucht, aber weiterhin sehr sexy für die, die davon profitieren.

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