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Ramada-Cup 2009 Hamburg

by acepoint on Jan.12, 2010, under Chess, Ramada-Cup 2009 Hamburg

Vom 8.-10.01.2010 wurde in Hamburg das dritte Qualifikationsturnier für die Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft ausgetragen. In sechs Klassen kämpften insgesamt 392 Teilnehmer um die begehrten sechs Qualifikationsplätze pro Klasse. Jeweils am Freitag und Samstag wurde eine Doppelrunde gespielt, am Sonntag fand um 9 Uhr morgens die fünte und letzte Runde statt. Die Bedenkzeit betrug 1:30 Stunde/40 Züge + 15 Minuten für den Rest der Partie. Pro Zug gab es 30 Sekunden Bonuszeit.

Ich hatte mich für die zweite Klasse (ELO/DWZ 1900-2100) angemeldet. Aus der Region war außerdem Benedikt Muschik (SF Neuenkirchen) in der ersten Gruppe (2100-2300) vertreten. Aufgrund meiner (relativ) niedrigen DWZ von 1927 und noch nicht vorhandenen ELO zum Stichtag 1.Oktober 2009 war ich unter 63 Teilnehmern meiner Klasse nur an Platz 56 gesetzt. Hätte die zum 1. November erworbene ELO von 2052 schon gezählt, wäre ich auf Rang 12 plaziert gewesen. Mehr dazu später.

Das Ramada-Hotel (****) hatte stark ermäßigte Zimmerpreise für die Teilnehmer (44,-/Person im Doppelzimmer), das Frühstück war reichhaltig, Getränkepreise im mittleren Preissegment. Nur das für 16 Euro angebotene Abendbuffet war sein Geld nicht wert. Als Frechheit empfand ich den Tarif für das vorhandene WLAN. 8 Euro (in Worten: acht) sollten wir für eine Stunde Nutzung bezahlen. Da fehlen mir einfach die Worte.

Die Organisation des Turniers war sehr gut. Alle Runden begannen mehr oder wenig pünktlich, es gab Namensschilder an den Brettern, die Auslosung für die folgende Runde hing bereits etwa dreißig Minuten nach Rundenende aus. Etwa sechs Schiedsrichter kümmerten sich um die Teilnehmer, und mir ist in den drei Tagen kein einziger Streitfall zu Ohren gekommen. Im Foyer des Hotels hatte Manfred Mädler einen Stand mit Büchern und Software aufgebaut, außerdem waren am Samstag zwei Chessbase-Seminare im Angebot. Alles in allem eine runde Sache und sehr empfehlenswerte Veranstaltung gerade für Schachspieler, die nicht gleich eine ganze Woche Urlaub für ein Turnier opfern können oder wollen.

Nun zum Turnierverlauf: Am Freitag wurde ich in der ersten Runde gegen Björn Hilker vom SF Barsinghausen (ELO 2035, DWZ 1934) ausgelost. Nach einigen Ungenauigkeiten auf seiner Seite konnte ich mir um den 30. Zug herum eine Gewinnstellung aufbauen. Ich fand dann aber in leichter Zeitnot nicht die richtige Fortsetzung und forcierte – laut Fritz immer noch mit etwa +2 im Vorteil – ein Remis durch Dauerschach.

Am Nachmittag spielte ich in der zweiten Runde mit Weiß gegen Wulf-Werner Kunisch (SK Lister Turm, ELO 2019, DWZ 1873). Bereits in der Eröffnung konnte ich einen Bauern gewinnen. Aber auch hier fand ich unter Zeitdruck in komplizierter Stellung nicht den forcierten Gewinn. Die Krönung kam dann einen Zug nach der 1. Zeitkontrolle: Ich lies mich einzügig Matt setzen!

Völlig frustiert und demotiviert setzte ich mich dann am Samstagmorgen gegen Matthias Luckhardt (DWZ 1988) ans Brett. Wir spielten beide ziemlich schnell, und zu meinem Glück gelangten wir in ein Endspiel, in dem sich sein Springer auf h6 verlaufen hatte. Der Rest war dann Sache der Technik.

Am Nachmittag ging es – mit Weiß – gegen Hendrik Mittelstädt aus Uelzen (ELO 2075, DWZ 2018). Die Eröffnung war mir überhaupt nicht gelungen, ich hatte nach etwa 10 Zügen einen Bauern weniger für nichts. Mit einem zweifelhaften Springeropfer gelang es mir dann, die Stellung so sehr zu verkomplizieren, daß mein Gegner die Übersicht verlor und fehlgriff. Trotzdem musste ich nach einem Übersehen meinerseits die Partie in einem vertrackten “Bauern-gegen-Springer” Endspiel ein zweites Mal gewinnen. Mit 2 aus 2 am Samstag und insgesamt 2,5 aus 4 hatte ich damit zumindest mein gestecktes Minimalziel von 50% vorzeitig erreicht.

In der Schlußrunde spielte ich gegen Ralf Schöngart aus Buxtehude (ELO 2070, DWZ 1988). Mit Schwarz auf Kampf eingestellt, wählte ich das Budapester Gambit. Leider spielte mein Gegner diese Eröffnung selbst mit Schwarz. Zu meinem Glück war auch er etwas fahrlässig und verlor in einem ausgeglichenen Endspiel zunächst einen Bauern und überließ mir später auch noch das Läuferpaar. Nach 82 Zügen war die Partie dann beendet, mir kam außerdem die zweifelhafte Ehre zuteil, die längste Partie des Tages gespielt zu haben.

Mit 3,5 Punkten aus 5 Partien konnte ich mich in DWZ und ELO um etwa 20 Punkte verbessern. Außerdem landete ich auf dem 8.-12. Platz (nach Wertung 12.!), verfehlte damit die Qualifikation um einen halben Punkt. Benedikt Muschik von den benachbarten SF Neuenkirchen machte es da in der A-Gruppe besser. Mit 4 Punkten aus 5 Partien auf dem geteilten 1.-4. Platz konnte er sich – nach Wertung 4. – für die Endrunde im Mai in Halle an der Saale qualifizieren.

Aufregend gestaltete sich dann noch die Rückfahrt. Meine Freundin war wegen eines Auftritts bereits am Sonntagmorgen abgereist. Benedikt und ich wählten also die Bahn für die Heimreise. Unser Zug hatte schon in Hamburg eine Verspätung von etwa dreißig Minuten. Während der Fahrt zwischen Hamburg und Bremen – ungefähr auf halber Strecke – fing es auf einmal unter unserem Waggon fürchterlich an zu poltern. Fast zeitgleich zersprangen in unserem Abteil drei Fensterscheiben – zum Glück aus Sicherheitsglas. Ein, zwei Minuten später kam der IC dann in irgendeinem Kaff vor Bremen zum stehen. Es stellte sich heraus, daß nicht nur die Fensterscheiben zu Bruch gegangen, sondern auch eine Bremsleitung abgerissen war und deshalb eine automatische Notbremsung eingeleitet wurde. Ursache: aufgewirbelte Eisstücke auf den Gleisen! Wie war nochmal der frühere Slogan der Bahn? “Alle reden vom Wetter, nur wir nicht” …

Hier einige Bilder, von mäßiger Qualität weil mit Handykamera gemacht. Weiter unten findet Ihr alle fünf Partien.

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