Okt2013 20

Mit „Deutsche wollen lieber Sicherheit als Freiheit“ überschrieb die Deutsche Telekom in den vergangenen Tagen das Ergebnis einer bei TNS Infratest in Auftrag gegebenen Umfrage. Auch heise sprang mit „Telekom fragt: Was ist Ihnen wichtiger, Sicherheit oder Freiheit?“ auf den Zug auf. Vor eine Entweder-Oder-Wahl gestellt, würden sich laut Umfrage 79 Prozent der Befragten für die Sicherheit entscheiden, nur 20 Prozent gäben der Freiheit den Vorzug. Dabei sind sowohl Fragestellung, als auch die in der Überschrift der Telekommeldung suggerierte Schlussfolgerung hochgradig irreführend und falsch.

Es ging in der Umfrage nämlich ausschließlich um den Schutz vor Cyber-Angriffen bzw. vor dem Missbrauch eigener Daten durch Dritte. Mitnichten hatte das seit April als „Drosselkom“ verspottete Unternehmen ein von Bundesinnenminister Friedrich (CSU) im Sommer erfundenes Supergrundrecht Sicherheit im Sinn. Auch schließen sich die ausgewählten Prioritäten Freiheit und Sicherheit im Kontext der Fragestellung nicht zwingend aus. Im Gegenteil, richtig angewandt, würden sich beide hervorragend ergänzen.

Stellvertretend für meine steile These sei hier das Cloud-Computing genannt. Das Speichern eigener Dokumente in einer „Wolke“ gibt mir als Anwender jegliche erdenkliche Mobilität und damit auch ein Stück Freiheit. Ist der Anbieter eines solchen Dienstes außerdem in der Lage, sinnvolle Verschlüsselung für Transport und Lagerung der Daten bereitzustellen, technisch so implementiert, dass weder ihm, dem Anbieter, noch irgendwelchen dubiosen Geheimdiensten ein Weg ermöglicht wird, auf die gespeicherten Inhalte zuzugreifen – Herz, was willst Du mehr?

Bleibt die Frage, was die Telekom letztendlich mit ihrer Botschaft „Deutsche wollen lieber Sicherheit als Freiheit“ bezweckt. Will sie den Weg für weitere, unter den Deckmantel der ach so wichtigen Sicherheit gestellten, uns Bürger einschränkenden Gesetze ebnen? Oder als Internet Service Provider den Boden für das Angebot einer Infrastruktur bereiten, die eher der von zu recht restriktiver gestalteten Unternehmensnetzwerken ähnelt? Beides kann ich mir nicht vorstellen. Auch der renommierte Newsticker heise ist in dem Punkt ratlos: „Warum die Umfrage durchgeführt wurde, und warum sie gerade diese Fragen gestellt haben, erklärten die Auftraggeber der Umfrage nicht.

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