Anfang 2007 hatte ich mich für die von der International Email Chess Group (IECG) ausgetragene, jährliche Weltmeisterschaft angemeldet. Nachdem ich mich in den vergangenen vier Jahren erfolgreich durch die Vorrunden und das Semifinale der IECG WC 2011 gekämpft habe, sieht es nun im Kandidatenfinale ebenfalls recht vielversprechend aus.
Die IECG ist die älteste der im Internet vertretenen entstandenen Fernschachorganisationen und nach der »offiziellen« International Correspondence Chess Federation (ICCF) der stärkste Verband. Trotz des »Email« im Namen werden die meisten Turniere mittlerweile über ein Webinterface ausgetragen. Neben der besseren Kontrolle der Zugübermittlung und Bedenkzeit ist dieses Verfahren für alle Teilnehmer auch bequemer in der Handhabung. Und weil die von früher bekannten Postlaufzeiten komplett wegfallen, sind Fernschachturnier wesentlich schneller beendet als damals, zur schrecklichen Zeit vor dem Internet
.
Für die Endrunde einer Weltmeisterschaft qualifizieren sich zwei der elf Teilnehmer in einem Kandidatenfinale. Die Gruppe, in der ich spiele, kommt nun, nach etwa einem halben Jahr, langsam in die entscheidende Phase.
Vier meiner zehn Partien endeten bereits mit Remis, davon drei mit Schwarz – der Anzugsvorteil ist im Fernschach mittlerweile enorm wichtig geworden. In den sechs noch ausstehenden Partien (4x Weiß, 2x Schwarz) erhoffe ich mir drei Siege bei drei weiteren Remis. Wenn alles ideal läuft, können 6.5 Punkte aus 10 Partien für die Qualifikation zur Endrunde ausreichen.
Entstanden ist mein Projekt »IECG WM« übrigens nach dem Gewinn der WM 2004 durch Andreas Strangmüller, bzw. die auf mehrere Zeitungsartikel folgenden Diskussionen in der Fernschachszene. Strangmüller wurde 2006, als das Turnier beendet war, von (vermutlichen) Neidern und »Etablierten« ob seines Titelgewinns etwa belächelt. Diese Fernschachweltmeisterschaft sei lange nicht so stark wie die der ICCF, hieß es unter anderem. Und mit einem guten Computer und etwas Zeit könne bei der IECG ja jeder gewinnen.
Ich wollte mir selbst ein Bild davon machen und probierte es aus. Nach mittlerweile vier Jahren und acht Tagen muss ich sagen: Auch bei der IECG ist die WM eine ganz schöne Ochsentour und … Hut ab vor Strangmüllers Leistung.
Hier nun meine noch offenen Partien: