Aug 08

 Nach mehr als zwanzig Jahren Abstinenz werde ich endlich, endlich wieder eine Personenkennziffer erhalten. Als ich aus der Bundeswehr ausscheiden musste, hatte ich mich schon irgendwie unwohl gefühlt, wurde aber während des Studiums dank meiner Matrikelnummer nicht auf "Kaltentzug", sondern nur auf eine sanfte Entwöhnung gesetzt. Was ist jetzt geschehen? Das Kabinett (naja, es waren nur 8 (acht!) Minister anwesend) hat heute das Jahressteuergesetz 2008 verabschiedet. Hinter dem harmlos klingenden Namen verbirgt sich jedoch eine Zeitbombe und genügend Zündstoff für Verfassungsklagen. Als ob unsere Bundes- und Landesregierungen nicht schon genug am Hals hätten.

 Das neue Gesetz sieht vor, jeden Bürger mit einer eindeutigen, unveränderbaren und lebenslang gültigen Nummer zu versehen, welche dann 2011 die Lohnsteuerkarte ablösen soll. Diese Nummer wird in einer zentralen Datei verwaltet, in der außerdem Infos zu Ehepartner und Kindern, Religionszugehörigkeit(!), Steuerklassen und Freibeträge eingetragen werden. Nun kennt man eine ähnliche Nummer aus den U.S.A (Sozialversicherungsnummer), diese wird aber weder zentral verwaltet, noch gibt es jenseits des großen Teichs eine gesetzliche Meldepflicht für Bürger.

 Das sehr umstrittene Jahressteuergesetz wird außerdem Begehrlichkeiten bei anderen Behörden wecken, da konkrete Zugriffsbeschränkungen auf die zentral verwaltete Steuerdatei fehlen. Ich erinnere nur an die heutige Diskussion über die Verwendung der Mautdaten und die Versprechungen der Politik bei Einführung des elektronischen Gebührensystems. Da das Bundesverfassungsgericht außerdem in seinem Volkszählungsurteil von 1983 darlegte, daß die Einführung einer Personenkennziffer ein entscheidender Schritt sei, den Bürger in seiner gesamten Persönlichkeit zu registrieren und zu katalogisieren und somit gegen das Persönlichkeitsrecht verstoßen würde, kann man die Tage bis zur nächsten Verfassungsklage bereits zählen.

 Auch ehemalige DDR-Bürger, die ab 1970 mit einer Personenkennziffer bedacht wurden, werden sich mit Freuden daran erinnern, daß diese Nummer und alle dazugehörigen Dateien aufgrund des Einigungsvertrags sobald als möglich zu löschen seien.

 

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Aug 06

 Im nachhinein auf "legale" Füße gestellt hat die US-Regierung die vormals illegalen, aber dennoch praktizierten Abhöraktionen nach 9/11. Am vergangenen Freitag verabschiedete der Senat ein entsprechendes Gesetz, welches am Wochenende von Bush unterzeichnet wurde. Kernpunkt des neuen Gesetzes ist die Erlaubnis für den US-Geheimdienst NSA, künftig internationale Telefonate und E-Mails abhören zu dürfen, ohne sich vorher eine richterliche Erlaubnis einholen zu müssen.

 Im Klartext bedeutet dies, daß nun weltweit jedes Telefonat und jede E-Mail eines Ausländers mit einem US-Bürger von der Datenkrake NSA gespeichert und ausgewertet werden darf und dies nicht mehr in der Obhut eines unabhängigen Richters, sondern im Ermessen der NSA-Agenten liegt. Noch im August vergangenen Jahres hatte ein Gericht in Detroit diese illegale Praxis für verfassungwidrig erklärt, nun wurde schnell ein passendes Gesetz zur gängigen Praxis geschaffen. Sehr verblüffend ist auch, daß dieses Gesetz selbst im von den Demokraten beherrschten Kongress seine Zustimmung fand.

 So kann man halt auch Demokratie  "leben" … und dies viel erfolgreicher als unser Bundesinnenminister Schäuble. Dieser kämpft bisher eher durchwachsen um ein Gesetz für Online-Durchsuchungen, welches die (verfassungswidrigen) Direktiven seines Vorgängers im Amt für die Zukunft legitimieren würde. George Bush ist in der "Reorganisation" der Demokratie in den U.S.A. auf jeden Fall wieder einen großen Schritt voran gekommen.

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Aug 05

 Trotz einiger bemerkenswerter und richtungsweisender Urteile in den vergangenen Monaten haben sich Apple und Google heftigst über das Patentwesen in den U.S.A. beschwert. Wie Heise berichtet, äußerte sich Patentexpertin Michelle Lee (Google) sehr negativ zur augenblicklichen Entwicklung. Lee sprach von einer Krise, Patentämter seien überlastet, die Qualität der Patente schlecht, es gebe zu viele "Patent-Trolle", welche diese Situation ausnutzen würden.

 Auch der Sprecher von Apple, Chip Lutton,  hieb in die gleiche Kerbe, drückte sich allerdings nicht so drastisch aus. Es sei in jüngster Zeit "einiges aus dem Ruder gelaufen."

 Nun muss man wissen, daß beide Unternehmen in der Vergangenheit mehrfach Patente eingereicht und bewilligt bekommen haben, die Erfindungen von nicht gerade schöpferischer Tiefe beschreiben. Zum Beispiel hat sich Google ein Patent auf "das Hervorheben von Suchbegriffen im Suchresultat" erteilen lassen, nachzulesen beim US-Patentamt unter der Nummer 6839702. Apple hatte im Jahre 2002 ein Patent auf "Benutzerkonten zum Mitnehmen" beantragt, bewilligt und einzusehen unter 7120785.

 Warum fällt mir beim Lesen dieser Meldungen spontan "Der Zauberlehrling" von Goethe ein?

 [...]

Walle, walle!
Manche Strecke,
Daß zum Zwecke,
Wasser fließe
Und mit reichem, vollem Schwalle
Zu dem Bade sich ergieße.

 [...]

Stehe! stehe!
Denn wir haben
Deiner Gaben
Vollgemessen! -
Ach, ich merk’ es! Wehe! wehe!
Hab’ ich doch das Wort vergessen!

 [...]


Oh, du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh’ ich über jede Schwelle
Doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
Der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
Steh doch wieder still!

 [...] 

 Na dann bin ich mal gespannt, wann der Meister kommt. 

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