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Archive for August, 2007

Schnüffelstaat explodiert

by ace on Aug.29, 2007, under Pol-IT

 Die Deutsche Telekom vermeldet einen explosionsartigen Anstieg von Anfragen des Staatsapparates bezüglich genutzter IP-Adressen. Gab es im Jahr 2003 noch insgesamt 3,170 Anfragen an die Telekom, zu einer IP-Adresse die entsprechenden Nutzerdaten (Anschrift, etc) herauszugeben, so stieg die Anzahl im vergangenen Jahr auf 94,417. Für das laufende Jahr schätzt der Telekom-Jurist Bernd Köbele die Zahl der Anfragen auf insgesamt 210,057.

 Pikant: Nur ein geringer Prozentsatz (0.42%) betreffe die Suche nach mutmaßlichen Terroristen, ein Motiv, welches in diesen Tagen oft als Totschlagargument verwendet wird. Bei fast 80% der Anfragen handele es sich um Ermittlungen in einfachen Betrugsdelikten. Bernd Köbele stellte diese Zahlen auf der Sommerakademie des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein vor. Ein PDF seiner Präsentation kann hier heruntergeladen werden.

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Ein Zentrum der Inkompetenz

by ace on Aug.27, 2007, under Pol-IT

 Für einiges Aufsehen sorgte die Bundesregierung in den letzten Tagen, möglicherweise jedoch eher unbeabsichtigt. In einem Antwortpapier auf einen Fragenkatalog der SPD-Bundestagsfraktion erläuterte ein Mitarbeiter des Innenministeriums, wie dieses sich den Einsatz des sogenannten "Bundestrojaners" vorstelle und legte außerdem dar, wie der vom Bundesverfassungsgericht geforderte Schutz der Privatsphäre gewährleistet werden solle. Alles in allem klingen die Beschreibungen in dem Papier jedoch mehr als abenteuerlich.  Fast zeitgleich veröffentlichte der Spiegel einen Artikel,  in dem beschrieben wird, wie zahlreiche Computer im Kanzleramt und in drei Ministerien von Trojanern befallen gewesen seien, die der Übermittlung von Daten nach China dienten.

 Sowohl  das  Schreiben des Innenministeriums,  als auch die Reaktionen der Regierung auf  die Entdeckung der  infizierten Rechner lassen nicht wirklich auf geballte Kompetenz schließen. Hatten die früheren (illegalen) Versuche unserer Fahnder, Computer online zu überprüfen, noch ihren Ursprung in CDs, die bei den Betroffenen einfach in den Briefkasten geworfen wurden (in der Hoffnung, daß diese die darauf befindliche Software ungeprüft starten würden), soll der Angriff nun über E-Mail-Anhänge, z.B. Word- oder MS-Powerpointdateien erfolgen. Eine zweite Variante bestehe im Clonen der PC-Festplatten, die dann anschließend durch mit RFS (Remote Forensic Software) versehene Platten ersetzt werden sollen. Das Risiko einer Entdeckung bezeichnte das Innenministerium als gering. Sollte der Besitzer eines observierten PCs wider Erwarten doch mißtrauisch werden, könne man das Virus einfach entfernen. Auch der Schutz der Privatsphäre sei durch Einsatz bestimmter "technischer Maßnahmen" gewährleistet.

 Unabhängig von der verfassungsrechtlichen Fragwürdigkeit erinnert mich dieses Vorgehen eher an einen schlechten Sat1-Film denn an IT-Kompetenz. Ich stelle mir gerade vor, wie ich eine E-Mail mit einer "Ist wirklich lustig" Powerpoint-Datei erhalte. Innen drin befindet sich dann ein Trojaner mit einem Algorithmus, der "Meine geheimsten Sexphantasien.doc" in Ruhe lässt, aber die im gleichen Verzeichnis befindlichen Dateien "Anleitung zum Bombenbau.pps" und "Mitgliedsbeiträge Al Quaida.xls" an den Verfassungsschutz sendet.

 Offenbar befindet sich der Wissensstand der Mitarbeiter des Innenministeriums auf gleichem Niveau wie das IT-Knowhow im Bundeskanzleramt und drei weiteren Ministerien. Dort wurden nämlich tatsächlich Trojaner entdeckt und – laut Aussage des BMI und des Verfassungsschutzes – die Übermittlung von etwa 160GB Daten an eine Adresse in China "gerade noch rechtzeitig" verhindert. Wie die ermittelnden Beamten so sicher sein können, daß wirklich nichts nach China übertragen wurde, bleibt mir allerdings ein Rätsel.

 Vielleicht sollte Schäuble unserer Bundeskanzlerin, die sich gerade auf dem Weg nach China befindet, einen Fragenkatalog mitgeben und sich den professionellen Einsatz von Spionagesoftware von chinesischen Spezialisten mal so richtig erklären lassen. Und der Verfassungsschutz nimmt am nächsten Camp des CCC teil – wenn die Schlapphüte nicht sowieso schon (unentdeckt) beim letzten Treffen waren.

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Willkommen in der EU!

by ace on Aug.21, 2007, under Pol-IT

 Oder besser doch nicht? Wie Heise gestern berichtete, hat ein türkisches Gericht in Istanbul die Sperrung des Zugangs zu Wordpress von der Türkei aus verfügt. Grund waren angebliche Beleidigungen gegen den türkischen Kreationisten Adnan Oktar, die auf der Blog-Seite www.wordpress.com veröffentlicht wurden.

 Oktar, auch bekannt unter dem Namen Harun Yahya, ist ebenso wie einige religiöse Fanatiker in den U.S.A. Verfechter einer religiösen Schöpfungsgeschichte. Er bezeichnet die klassische Evolutionstheorie als Betrug. Laut Wikipedia leugnet er ebenso den Holocaust.

 Nachdem Türk Telekom bereits im März diesen Jahres für einige Tage den Zugang zu Youtube gesperrt hatte, ist dies nun mindestens der zweite Fall von eindeutiger Internet-Zensur. Man fragt sich da unwillkürlich, ob die Türkei die Beitrittsbedingungen zur EU vielleicht missverstanden hat.

 Ach ja, hier sind übrigens einige der vom Gericht beanstandeten Links bei Wordpress:

Leider kann ich kein Türkisch. 

[Update]

 Wenn man einem Heiseforen-Bericht Glauben schenken darf, handelt es sich bei der ausführenden Instanz wiederum um die "Türk Telekom", das Pendant der Deutschen Telekom. 

 

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Fourteen Defining Characteristics Of Fascism

by ace on Aug.15, 2007, under The Daily Madness


The following article is from Free Inquiry magazine, Volume 23, Number 2, by Dr. Lawrence W. Britt.


 Free Inquiry readers may pause to read the “Affirmations of Humanism: A Statement of Principles” on the inside cover of the magazine. To a secular humanist, these principles seem so logical, so right, so crucial. Yet, there is one archetypal political philosophy that is anathema to almost all of these principles. It is fascism. And fascism’s principles are wafting in the air today, surreptitiously masquerading as something else, challenging everything we stand for. The cliché that people and nations learn from history is not only overused, but also overestimated; often we fail to learn from history, or draw the wrong conclusions. Sadly, historical amnesia is the norm.

 We are two-and-a-half generations removed from the horrors of Nazi Germany, although constant reminders jog the consciousness. German and Italian fascism form the historical models that define this twisted political worldview. Although they no longer exist, this worldview and the characteristics of these models have been imitated by protofascist regimes at various times in the twentieth century. Both the original German and Italian models and the later protofascist regimes show remarkably similar characteristics. Although many scholars question any direct connection among these regimes, few can dispute their visual similarities.

 Beyond the visual, even a cursory study of these fascist and protofascist regimes reveals the absolutely striking convergence of their modus operandi. This, of course, is not a revelation to the informed political observer, but it is sometimes useful in the interests of perspective to restate obvious facts and in so doing shed needed light on current circumstances.

 For the purpose of this perspective, I will consider the following regimes: Nazi Germany, Fascist Italy, Franco’s Spain, Salazar’s Portugal, Papadopoulos’s Greece, Pinochet’s Chile, and Suharto’s Indonesia. To be sure, they constitute a mixed bag of national identities, cultures, developmental levels, and history. But they all followed the fascist or protofascist model in obtaining, expanding, and maintaining power. Further, all these regimes have been overthrown, so a more or less complete picture of their basic
characteristics and abuses is possible.

 Analysis of these seven regimes reveals fourteen common threads that link them in recognizable patterns of national behavior and abuse of power. These basic characteristics are more prevalent and intense in some regimes than in others, but they all share at least some level of similarity.

  1.  Powerful and continuing expressions of nationalism.
    From the prominent displays of flags and bunting to the ubiquitous lapel pins, the fervor to show patriotic nationalism, both on the part of the regime itself and of citizens caught up in its frenzy, was always obvious. Catchy slogans, pride in the military, and demands for unity were common themes in expressing this nationalism. It was usually coupled with a suspicion of things foreign that often bordered on xenophobia.

  2.  Disdain for the importance of human rights.
    The regimes themselves viewed human rights as of little value and a hindrance to realizing the objectives of the ruling elite. Through clever use of propaganda, the population was brought to accept these human rights abuses by marginalizing, even demonizing, those being targeted. When abuse was egregious, the tactic was to use secrecy, denial, and disinformation.

  3.  Identification of enemies/scapegoats as a unifying cause.
    The most significant common thread among these regimes was the use of scapegoating as a means to divert the people’s attention from other problems, to shift blame for failures, and to channel frustration in controlled directions. The methods of choice—relentless propaganda and disinformation—were usually effective. Often the regimes would incite “spontaneous” acts against the target scapegoats, usually communists, socialists, liberals, Jews, ethnic and racial minorities, traditional national enemies, members of other religions, secularists, homosexuals, and “terrorists.” Active opponents of these regimes were inevitably labeled as terrorists and dealt with accordingly.

  4.  The supremacy of the military/avid militarism.
    Ruling elites always identified closely with the military and the industrial infrastructure that supported it. A disproportionate share of national resources was allocated to the military, even when domestic needs were acute. The military was seen as an expression of nationalism, and was used whenever possible to assert national goals, intimidate other nations, and increase the power and prestige of the ruling elite.

  5.  Rampant sexism.
    Beyond the simple fact that the political elite and the national culture were male-dominated, these regimes inevitably viewed women as second-class citizens. They were adamantly anti-abortion and also homophobic. These attitudes were usually codified in Draconian laws that enjoyed strong support by the orthodox religion of the country, thus lending the regime cover for its abuses.

  6.  A controlled mass media.
    Under some of the regimes, the mass media were under strict direct control and could be relied upon never to stray from the party line. Other regimes exercised more subtle power to ensure media orthodoxy. Methods included the control of licensing and access to resources, economic pressure, appeals to patriotism, and implied threats. The leaders of the mass media were often politically compatible with the power elite. The result was usually success in keeping the general public unaware of the regimes’ excesses.

  7.  Obsession with national security.
    Inevitably, a national security apparatus was under direct control of the ruling elite. It was usually an instrument of oppression, operating in secret and beyond any constraints. Its actions were justified under the rubric of protecting “national security,” and questioning its activities was portrayed as unpatriotic or even treasonous.

  8.  Religion and ruling elite tied together.
    Unlike communist regimes, the fascist and protofascist regimes were never proclaimed as godless by their opponents. In fact, most of the regimes attached themselves to the predominant religion of the country and chose to portray themselves as militant defenders of that religion. The fact that the ruling elite’s behavior was incompatible with the precepts of the religion was generally swept under the rug. Propaganda kept up the illusion that the ruling elites were defenders of the faith and opponents of the “godless.” A perception was manufactured that opposing the power elite was tantamount to an attack on religion.

  9.  Power of corporations protected.
    Although the personal life of ordinary citizens was under strict control, the ability of large corporations to operate in relative freedom was not compromised. The ruling elite saw the corporate structure as a way to not only ensure military production (in developed states), but also as an additional means of social control. Members of the economic elite were often pampered by the political elite to ensure a continued mutuality of interests, especially in the repression of “have-not” citizens.

  10.  Power of labor suppressed or eliminated.
    Since organized labor was seen as the one power center that could challenge the political hegemony of the ruling elite and its corporate allies, it was inevitably crushed or made powerless. The poor formed an underclass, viewed with suspicion or outright contempt. Under some regimes, being poor was considered akin to a vice.

  11.  Disdain and suppression of intellectuals and the arts.
    Intellectuals and the inherent freedom of ideas and expression associated with them were anathema to these regimes. Intellectual and academic freedom were considered subversive to national security and the patriotic ideal. Universities were tightly controlled; politically unreliable faculty harassed or eliminated. Unorthodox ideas or expressions of dissent were strongly attacked, silenced, or crushed. To these regimes, art and literature should serve the national interest or they had no right to exist.

  12.  Obsession with crime and punishment.
    Most of these regimes maintained Draconian systems of criminal justice with huge prison populations. The police were often glorified and had almost unchecked power, leading to rampant abuse. “Normal” and political crime were often merged into trumped-up criminal charges and sometimes used against political opponents of the regime. Fear, and hatred, of criminals or “traitors” was often promoted among the population as an excuse for more police power.

  13.  Rampant cronyism and corruption.
    Those in business circles and close to the power elite often used their position to enrich themselves. This corruption worked both ways; the power elite would receive financial gifts and property from the economic elite, who in turn would gain the benefit of government favoritism. Members of the power elite were in a position to obtain vast wealth from other sources as well: for example, by stealing national resources. With the national security apparatus under control and the media muzzled, this corruption was largely unconstrained and not well understood by the general population.

  14.  Fraudulent elections.
    Elections in the form of plebiscites or public opinion polls were usually bogus. When actual elections with candidates were held, they would usually be perverted by the power elite to get the desired result. Common methods included maintaining control of the election machinery, intimidating and disenfranchising opposition voters, destroying or disallowing legal votes, and, as a last resort, turning to a judiciary beholden to the power elite.

 Does any of this ring alarm bells? Of course not. After all, this is America, officially a democracy with the rule of law, a constitution, a free press, honest elections, and a well-informed public constantly being put on guard against evils. Historical comparisons like these are just exercises in verbal gymnastics. Maybe, maybe not.

 

Note

1. Defined as a “political movement or regime tending toward or imitating Fascism”—Webster’s Unabridged Dictionary.

References

Andrews, Kevin. Greece in the Dark. Amsterdam: Hakkert, 1980. Chabod, Frederico. A History of Italian Fascism. London: Weidenfeld, 1963. Cooper, Marc. Pinochet and Me. New York: Verso, 2001. Cornwell, John. Hitler as Pope. New York: Viking, 1999. de Figuerio, Antonio. Portugal—Fifty Years of Dictatorship. New York: Holmes & Meier, 1976. Eatwell, Roger. Fascism, A History. New York: Penguin, 1995. Fest, Joachim C. The Face of the Third Reich. New York: Pantheon, 1970. Gallo, Max. Mussolini’s Italy. New York: MacMillan, 1973. Kershaw, Ian. Hitler (two volumes). New York: Norton, 1999. Laqueur, Walter. Fascism, Past, Present, and Future. New York: Oxford, 1996. Papandreau, Andreas. Democracy at Gunpoint. New York: Penguin Books, 1971. Phillips, Peter. Censored 2001: 25 Years of Censored News. New York: Seven Stories. 2001. Sharp, M.E. Indonesia Beyond Suharto. Armonk, 1999. Verdugo, Patricia. Chile, Pinochet, and the Caravan of Death. Coral Gables, Florida: North-South Center Press, 2001. Yglesias, Jose. The Franco Years. Indianapolis: Bobbs-Merrill, 1977.

And his own book "June, 2004" 

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Langsam schließt sich der Kreis

by ace on Aug.13, 2007, under Pol-IT

Man könnte auch sagen: Jetzt wird endlich ein Schuh daraus! Wie die britische Zeitung “The Guardian” berichtet, dürfen englische Polizisten am kommenden Wochenende Befugnisse aus Anti-Terror-Gesetzen anwenden … gegen Demonstranten, die im Rahmen des “Camp für Climate Action 2007” gegen eine geplante Erweiterung des Londoner Flughafens Heathrow protestieren wollen. Bei der angemeldeten Kundgebung werden etwa 1,500 Demonstranten erwartet, denen 1,800 Polizisten gegenüberstehen werden.

Wörtlich heißt es in einem Dokument von Scotland Yard: “Should individuals or small groups seek to take action outside of lawful protest they will be dealt with robustly using terrorism powers. This is because the presence of large numbers of protesters at or near the airport will reduce our ability to proactively counter the terrorist act [threat],

Wohlgemerkt: die Polizei argumentiert keineswegs mit einer von den Klimaschützern ausgehenden Terrorgefahr, sondern begründet ihre Maßnahmen damit, daß die Demonstranten zu dieser Zeit die Möglichkeiten der Polizei bezüglich einer “Terrorbekämpfung” einschränken könnten. Diese Argumentationskette läßt sich praktisch auf jede Form einer Protestkundgebung oder öffentlichen Versammlung anwenden.

Der “Terrorism Act 2000” gibt der britischen Polizei u.a. die Möglichkeit

  • Fahrzeuge und Menschen jederzeit anzuhalten und zu durchsuchen, wenn nur der leiseste Verdacht bezüglich “Terrorismus” auftaucht
  • Menschen zu durchsuchen, auch wenn kein Anhaltspunkt oder Verdacht  existiert
  • Menschen für längstens 30 Tage ohne Angabe von Gründen festzuhalten
  • Wohnungen zu durchsuchen und
  • Demonstranten ihrer Straßenkleidung wie Hut, Schuhe und Mäntel/Jacken zu entledigen

“The Guardian” zitiert einen Fall aus der Vergangenheit, in dem eine Studentin für 30 Stunden unter dem Vorwurf fetsgehalten wurde, sie hätte Aufzeichnungen gemacht (hier: Flughafen Heathrow), welche für einem Terror-Anschlag genutzt werden könnten (§58). Später änderte die Polizei den Vorwurf auf “conspiring to cause a public nuisance” (Verschwörung zur Herbeiführung eines öffentlichen Ärgernisses).

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Die PKZ ist wieder da!

by ace on Aug.08, 2007, under Pol-IT

 Nach mehr als zwanzig Jahren Abstinenz werde ich endlich, endlich wieder eine Personenkennziffer erhalten. Als ich aus der Bundeswehr ausscheiden musste, hatte ich mich schon irgendwie unwohl gefühlt, wurde aber während des Studiums dank meiner Matrikelnummer nicht auf "Kaltentzug", sondern nur auf eine sanfte Entwöhnung gesetzt. Was ist jetzt geschehen? Das Kabinett (naja, es waren nur 8 (acht!) Minister anwesend) hat heute das Jahressteuergesetz 2008 verabschiedet. Hinter dem harmlos klingenden Namen verbirgt sich jedoch eine Zeitbombe und genügend Zündstoff für Verfassungsklagen. Als ob unsere Bundes- und Landesregierungen nicht schon genug am Hals hätten.

 Das neue Gesetz sieht vor, jeden Bürger mit einer eindeutigen, unveränderbaren und lebenslang gültigen Nummer zu versehen, welche dann 2011 die Lohnsteuerkarte ablösen soll. Diese Nummer wird in einer zentralen Datei verwaltet, in der außerdem Infos zu Ehepartner und Kindern, Religionszugehörigkeit(!), Steuerklassen und Freibeträge eingetragen werden. Nun kennt man eine ähnliche Nummer aus den U.S.A (Sozialversicherungsnummer), diese wird aber weder zentral verwaltet, noch gibt es jenseits des großen Teichs eine gesetzliche Meldepflicht für Bürger.

 Das sehr umstrittene Jahressteuergesetz wird außerdem Begehrlichkeiten bei anderen Behörden wecken, da konkrete Zugriffsbeschränkungen auf die zentral verwaltete Steuerdatei fehlen. Ich erinnere nur an die heutige Diskussion über die Verwendung der Mautdaten und die Versprechungen der Politik bei Einführung des elektronischen Gebührensystems. Da das Bundesverfassungsgericht außerdem in seinem Volkszählungsurteil von 1983 darlegte, daß die Einführung einer Personenkennziffer ein entscheidender Schritt sei, den Bürger in seiner gesamten Persönlichkeit zu registrieren und zu katalogisieren und somit gegen das Persönlichkeitsrecht verstoßen würde, kann man die Tage bis zur nächsten Verfassungsklage bereits zählen.

 Auch ehemalige DDR-Bürger, die ab 1970 mit einer Personenkennziffer bedacht wurden, werden sich mit Freuden daran erinnern, daß diese Nummer und alle dazugehörigen Dateien aufgrund des Einigungsvertrags sobald als möglich zu löschen seien.

 

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Demokratie made in den U.S.A

by ace on Aug.06, 2007, under Pol-IT

 Im nachhinein auf "legale" Füße gestellt hat die US-Regierung die vormals illegalen, aber dennoch praktizierten Abhöraktionen nach 9/11. Am vergangenen Freitag verabschiedete der Senat ein entsprechendes Gesetz, welches am Wochenende von Bush unterzeichnet wurde. Kernpunkt des neuen Gesetzes ist die Erlaubnis für den US-Geheimdienst NSA, künftig internationale Telefonate und E-Mails abhören zu dürfen, ohne sich vorher eine richterliche Erlaubnis einholen zu müssen.

 Im Klartext bedeutet dies, daß nun weltweit jedes Telefonat und jede E-Mail eines Ausländers mit einem US-Bürger von der Datenkrake NSA gespeichert und ausgewertet werden darf und dies nicht mehr in der Obhut eines unabhängigen Richters, sondern im Ermessen der NSA-Agenten liegt. Noch im August vergangenen Jahres hatte ein Gericht in Detroit diese illegale Praxis für verfassungwidrig erklärt, nun wurde schnell ein passendes Gesetz zur gängigen Praxis geschaffen. Sehr verblüffend ist auch, daß dieses Gesetz selbst im von den Demokraten beherrschten Kongress seine Zustimmung fand.

 So kann man halt auch Demokratie  "leben" … und dies viel erfolgreicher als unser Bundesinnenminister Schäuble. Dieser kämpft bisher eher durchwachsen um ein Gesetz für Online-Durchsuchungen, welches die (verfassungswidrigen) Direktiven seines Vorgängers im Amt für die Zukunft legitimieren würde. George Bush ist in der "Reorganisation" der Demokratie in den U.S.A. auf jeden Fall wieder einen großen Schritt voran gekommen.

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Die Zauberlehrlinge

by ace on Aug.05, 2007, under Pol-IT

 Trotz einiger bemerkenswerter und richtungsweisender Urteile in den vergangenen Monaten haben sich Apple und Google heftigst über das Patentwesen in den U.S.A. beschwert. Wie Heise berichtet, äußerte sich Patentexpertin Michelle Lee (Google) sehr negativ zur augenblicklichen Entwicklung. Lee sprach von einer Krise, Patentämter seien überlastet, die Qualität der Patente schlecht, es gebe zu viele "Patent-Trolle", welche diese Situation ausnutzen würden.

 Auch der Sprecher von Apple, Chip Lutton,  hieb in die gleiche Kerbe, drückte sich allerdings nicht so drastisch aus. Es sei in jüngster Zeit "einiges aus dem Ruder gelaufen."

 Nun muss man wissen, daß beide Unternehmen in der Vergangenheit mehrfach Patente eingereicht und bewilligt bekommen haben, die Erfindungen von nicht gerade schöpferischer Tiefe beschreiben. Zum Beispiel hat sich Google ein Patent auf "das Hervorheben von Suchbegriffen im Suchresultat" erteilen lassen, nachzulesen beim US-Patentamt unter der Nummer 6839702. Apple hatte im Jahre 2002 ein Patent auf "Benutzerkonten zum Mitnehmen" beantragt, bewilligt und einzusehen unter 7120785.

 Warum fällt mir beim Lesen dieser Meldungen spontan "Der Zauberlehrling" von Goethe ein?

 [...]

Walle, walle!
Manche Strecke,
Daß zum Zwecke,
Wasser fließe
Und mit reichem, vollem Schwalle
Zu dem Bade sich ergieße.

 [...]

Stehe! stehe!
Denn wir haben
Deiner Gaben
Vollgemessen! -
Ach, ich merk’ es! Wehe! wehe!
Hab’ ich doch das Wort vergessen!

 [...]


Oh, du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh’ ich über jede Schwelle
Doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
Der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
Steh doch wieder still!

 [...] 

 Na dann bin ich mal gespannt, wann der Meister kommt. 

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