Sep2013 23
  • Wir freuen uns über das erreichte Ergebnis von 2,2% aller Wählerstimmen: »Hey, ein Zuwachs von 10% gegenüber 2009!!!Eins11!«
  • Und lassen uns nicht einreden, die BTW09 und BTW13 hätten völlig unterschiedliche Voraussetzungen gehabt: »Ey, komm mir jetzt nicht mit Fakten.«
  • Wir überlegen stattdessen vorausschauend strategische Koalitionsangebote für die nächsten Wahlen und erzählen diese in Interviews. Wir sind schließlich wer!
  • Eine Fehleranalyse verschieben wir auf später (™). Haben wir überhaupt Fehler gemacht?
  • Kritiker, die verbreiten, der verpasste Einzug in den Bundestag – den wir sowieso nicht wollten, schließlich sind wir eine europäische Bewegung – habe in irgendeiner Form mit Plakaten, den vielfältigen Themen, Flyern, (Medien-)Strategien, SocialMedia-Konzepten, Kampagnen oder der großartigen Unterstützung durch die Fraktionen zu tun, haben unrecht. Viele Menschen haben sehr viel Zeit und Arbeit in den Wahlkampf gesteckt. Das Gesamtpaket war einfach gut.
  • Später (™) erklären wir, dass es doch müßig sei, Altes aufzuwärmen oder Vergangenes aufzuarbeiten. Alle haben einen tollen Job gemacht, man muss nach vorne schauen, bald ist doch schon Europawahl, und da klappt es dann bestimmt, und die Welt braucht uns doch. Flausch und Wombats für alle!
  • Wenn irrtümlich doch jemand eine Analyse des vergangenen Wahlkampfs veröffentlichen will, soll er/sie/es/Eichhörnchen sich auf Allgemeinplätze beschränken: »$ENTSCHEIDUNG ist etwas unglücklich gelaufen, Mund abputzen, bitte weitermachen, hier gibt es nichts zu sehen.«
  • Ignorieren wir bitte in dem Zusammenhang, dass die Piratenpartei bundesweit noch vor 16 Monaten zweistellige Umfragewerte hatte: »Ey, wann kann man Meinungsforschungsinstituten schon glauben?«
  • Blenden wir bitte auch aus, dass die Menschen noch in der ersten Jahreshälfte 2012 nicht nur auf Protest gebügelt waren, sondern gespannt und erwartungsvoll auf eine neue Partei geschaut haben, die in vier Länderparlamente einzog und vieles anders machen wollte: »Wir haben uns das auch einfacher vorgestellt.«
  • Unsere ursprünglichen, schon 2009 aufgestellten politischen Philosophien und Forderungen dürfen wir auf keinen Fall vorleben, auch nicht vorschnell ausprobieren: »Du, wir existieren erst 15 Monate als Fraktion, das ist nicht so einfach und braucht seine Zeit. Außerdem müssen wir erst mit der SPD sprechen, was die davon hält. Und überhaupt, wir machen hier wichtige Politik im $PARLAMENT, da hast Du keine Ahnung von.«
  • Wir bleiben bei Bewährtem und blockieren das uns Unbekannte, Suspekte: »Du, eine SMV, da hab ich ein total schlechtes Gefühl. Wegen Datenschutz und so.«
  • Wir müssen als Partei unbedingt alle wichtigen politischen Felder so schnell wie möglich abdecken: »Ey, Hauptsache innerparteilicher Konsens und da steht was zu $WILL_DIE_PRESSE_WISSEN.«
  • Also stürzen wir uns auf grüne Themen, denn das können wir besser als Die Grünen. Die Wähler sehen das eigentlich auch so.
  • Und stürzen uns zukünftig noch mehr auf linke Themen, denn das können wir ganz doll viel besser als Die Linke. Auch hier sehen die Wähler das ganz bestimmt genauso.
  • Wir konzentrieren uns nicht mehr auf Bürgerrechte, das kann nämlich die FDP – auch außerhalb der Parlamente –  besser als wir.
  • Und auf keinen Fall beackern wir im Schwerpunkt das Feld der Netzpolitik, denn da sind NGOs, Mario Sixtus und Sascha Lobo schon immer unschlagbar gewesen.
  • Innerparteilich drohen wir lieber einmal mehr als einmal zu wenig unbequemen Zeitgenossen öffentlich ein PAV an. Oder beantragen es gleich, das spart Zeit.
  • Persönliche Animositäten leben wir gründlich und öffentlich aus, sachliche und fundierte Arbeit ignorieren wir oder lehnen sie ohne Begründung ab.
  • Wir beschäftigen uns auf keinen Fall inhaltlich mit anderen Meinungen! Es droht nämlich sonst die Gefahr, Erkenntnisse zu gewinnen und klüger zu werden.
  • Ach ja, wir tun Texte wie diese natürlich als inhaltsleere Polemik ab, betrachten sie auch nicht als Denkanstöße.

6 Responses to “10% Zuwachs – was jetzt wichtig wird”

  1. Mich stört hier noch ein wenig die ständige Wiederholung der Phrase “… sehen die Wähler das ganz bestimmt genauso”.

    Schließlich haben wir noch nie aufs Ergebnis geschielt! Und das soll man auch nicht! Am Ende müsste man sich ja sonst verbiegen!

  2. Slash sagt:

    Radbert, keine Schwarz-Weiß-Malerei. Wenn einem ein Wahlergebnis zu denken gibt, weil es bei weitem nicht seine Hoffnungen erfüllt, und man aus diesem Gedankengang konstruktive Schlüsse für die Praxis zieht, heißt das noch lange nicht, dass die Konsequenzen Prinzipienbrüche oder -dehnungen sind.

    Richtiger Blogpost.
    Wisst ihr, was wir jetzt bräuchten ?
    Eine Nachbereitungs-Con !
    Konzeptuell vorbereitet vom Buvo.
    Oder irgendwas in der Art; Aufarbeitung ist fällig,
    und das nicht durch einzelne mehr oder weniger lichte
    Blogpostings einzelner Personen getreu dem Insel-Lösungs-Prinzip,
    sondern ernsthaft. Und das sag’ ich als jemand, der den Wahlausgang
    für die Piratenpartei als minimalen (!) Fortschritt sieht.
    Vielleicht wär’ aber auch eine PG nicht verkehrt, die Blogpostings
    wie diese aufsammelt, und nüchtern zusammenfassend analysiert:
    Welche Stichpunkte werden genannt ? Wie werden sie evtl. gewichtet ? Wir häufig wird ein Stichpunkt in der Summe all solcher Blogpostings angeführt ? Etc.

  3. Marc sagt:

    Radbert, wir haben uns doch schon verbogen. IMHO.

    @Achim: Überall was dran. Leider.

  4. acepoint sagt:

    @Radbert: Na ja, ich denke, ich habe eher zu oft »bitte« geschrieben ;-).

  5. MKJ sagt:

    Sehr gut! Völlige Zustimmung!

  6. Tobias Stephan sagt:

    Nach so langer Zeit nochmal gelesen…Achim, Du hast
    es schon damals auf den Punkt gebracht. Ich habe mal
    gelesen, dass ein Regenwurm ca. 100 Stromschläge benötigt
    um zu lernen, dass er einen anderen Weg wählen sollte.
    Wie viele davon benötigen #Piraten ?

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